Sprüche aus dem Leben einer bedürfnisorientierten Elternschaft

Wenn ich mir so anschaue, wi

e die Kinder in meinem Umfeld leben, komme ich mir oft wie ein Außerirdischer vor. In unserem näheren Umkreis sind wir die einzigen, deren Kind noch mit 19 Monaten gestillt wird. Nur in unserer Familie schlafen alle in einem Familienbett. Im eigenen Zimmer steht das Kinderbett eigentlich nur zur Dekoration. Ach ja, und Brei haben wir natürlich auch nicht gemacht - das war nichts für unsere Familie, wir haben unser Baby direkt am Familientisch mitessen lassen. Ach ja und bevor ich es vergesse, Tragen tun wir natürlich auch noch immer - und das obwohl unser Sohn seit 10 Monaten sicher läuft.


Im Endeffekt verwöhnen wir unser Kind so richtig. Wir geben ihm viel zu viel Liebe und er wird uns bald auf der Nase rumtanzen.


In der Schwangerschaft habe ich mir eine solche Erziehung nie vorstellen können. Aber dann kam unser Kind auf die Welt und war so gar nicht wie ich es erwartet hatte. Verdammt, er hatte so viele Bedürfnisse. Ständig wollte er nur auf mir schlafen und immer nur meine Körperwärme spüren. Also haben wir einen anderen Weg eingeschlagen, einen, der für viele nicht normal ist.


Ständig und quasi täglich kämpfe ich mit Vorurteilen zu unserem Erziehungsstil. Ich will euch mal einen kleinen Einblick in meine Rechtfertigungen geben:


Wenn das Kind nicht bald mal aus eurem Bett auszieht, dann wird er für immer dort schlafen wollen.


Kein Problem für mich. Wenn der Zwerg die erste Freundin mit heimbringt, dann ist in unserem 2,70 m großen Bett auch noch Platz für die. Und wenn sie dann doch bisschen mehr Privatsphäre wollen, dann können die beiden ja trotzdem noch in ihr eigenes Zimmer gehen.


Wenn du so weiter machst, dann wird das Kind ja nie selbstständig.


Ja, gut möglich. Ich meine, mein Mann ist auch nach 36 Jahren noch nicht selbstständig.


Wie soll das Kind denn lernen sich am Tisch zu benehmen, wenn du ihm dauernd erlaubst mit seinem Essen zu spielen?


Stimmt, es macht mir saumäßig viel Spaß die ganze Zeit Essen vom Boden zu sammeln. Aber das Kind lernt von uns - so lange ich die Erbsen nicht an die Wand schmeiße, wird er es auf Dauer auch nicht tun.


Du hast doch schon lange nicht mehr genug Milch, da kommt doch nur noch Wasser raus.


Vollkommen richtig. Deswegen kann ich mit meiner Brust auch Pflanzen gießen, aber es ist einfach praktischer als Wasserflaschen zu kaufen. Deswegen trinken wir alle an der Brust. Easy.


Hast es mal mit nem Schnuller versucht?


Absolut logisch für mich. Macht ja keinen Sinn, dass Kind an der Brust saugen zu lassen, die ist ja nicht dafür da, vollkommen unnatürlich sowas. Dafür gibt es Schnullis. Schon immer. Schon in der Steinzeit.


Du musst das Kind auch mal schreien lassen. Sonst rennst du künftig immer beim kleinsten Mucks.


Klaro, mein Kind kann nämlich schon 7.832 Wörter und korrekte Sätze bilden. Prädikat, Objekt, Subjekt und so. Kein Problem. Wenn ich ihn einfach ignoriere wenn er weint, dann wird er sicher von alleine auf die Idee kommen seine schön gelernten Sätze zu sagen.


Der muss doch jetzt mal durchschlafen. Das ist doch nicht normal.


Ich sags dem Papa auch immer wieder. Das der nachts Durst hat, das macht mich noch verrückt. Geht gar nicht.


Naja. Solche und andere Sachen hören wir bedürfnisorientierten ja immer wieder. Wie soll man dann reagieren? Ich versuch es mit Humor, klappt manchmal besser und manchmal schlechter.

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